Die Gruppe - eine unmögliche Zusammenkunft

Hier finden alle Rollenspieldiskussionen statt, die unabhängig von einzelnen Systemen sind. Auch Umfragen und philosophische Überlegungen sind hier beheimatet.

Die Gruppe - eine unmögliche Zusammenkunft

Beitragvon Amazeroth » Mi 10. Mär 2010, 10:27

Hi,

habt ihr eigentlich schonmal darüber nachgedacht, warum eure Charaktere miteinander rumhängen und gemeinsam auf Abenteuer ausziehen?! Bei manchen Settings ist es nicht die freie Entscheidung sondern ein Job, bei den meistens aber, besonders bei Fantasy-Systemen ist die Gruppenzusammensetzung je nach dem doch oft fragwürdig.

Als klischeehaftes Beispiel sei der finstere Magier genannt, der mit dem rechtschaffenden Priester durch die Lande zieht und oft hinterfragt niemand die Beziehung der Chars in der Gruppe untereinander. Kommt wahrscheinlich daher, daß jeder Spieler dem Anderen nicht reinreden will und man akzeptiert deshlab stillschweigend dessen Charakterwahl und ignoriert manche Interessenskonflikte.

Sind die Chars Freunde oder betrachten Sie sich als Partner? Manchmal wird das schwerfallen bzw. sogar unmöglich sein, je nach gewähltem Charakter. Mir persönlich fällt es schwer mir vorzustellen mit Leuten durch die Lande zu ziehen, die ich nicht leiden kann bzw die ich nicht als Freunde betrachten kann.
Warum sollte man das länger als nötig machen, würde sich eine Gruppe oder wenigstens manche Gruppenmitglieder nicht irgendwann vom Rest trennen?
In Filmen ist das auch immer so, entweder ist man durch eine Situation aneinander gebunden oder durch einen Auftrag bzw. durch ein gemeinsames Ziel, aber grundsätzlich hat man wenig Gründe über die Erfüllung dieses
Auftrags hinaus zusammen zu bleiben und eine Gemeinschaft zu bilden.

Macht ihr euch in euren Gruppen Gedanken über sowas, oder ist die freie Charakter-Entscheidung des Spielers
wichtiger und steht über den Dingen?
Das Schwierige am Diskutieren ist nicht, den eigenen Standpunkt zu verteidigen, sondern ihn zu kennen.
(Andre' Maurois, frz. Schriftsteller, 1885-1965)
Benutzeravatar
Amazeroth
 
Beiträge: 947
Registriert: Mi 27. Jan 2010, 16:33

Re: Die Gruppe - eine unmögliche Zusammenkunft

Beitragvon kalgani » Mi 10. Mär 2010, 11:00

gute Frage.

ich habe meistens es so ausgelegt, das die chars eine "spezialeinheit" bilden welche einen langwierigen auftrag zu erfüllen haben (Stufe 1-1x) wenn dieser erledigt ist sind sie entweder kumpels, oder man startet mit neuen chars eine neue kampagne.

bin gar kein freund von unabhängigen aneinander gereihten abenteuern,
da dort diese freelancer-problematik natürlich viel schneller auftritt als wenn man einen mächtigen großen auftraggeber hat...
auch erlaube ich keine chars die nicht miteinander arbeiten können.
Gut und Böse in einer gruppe kann bei meiner auslegung nicht auf dauer funktionieren.
Wer das zulässt ist entweder ein extrem guter und erfahrener SL oder legt es auf chaos an.
nix ist sinnloser als ein teures hobby... und nu hab ich 2
Benutzeravatar
kalgani
 
Beiträge: 626
Registriert: Do 14. Jan 2010, 16:58
Wohnort: Köln

Re: Die Gruppe - eine unmögliche Zusammenkunft

Beitragvon Tudor the Traveller » Do 11. Mär 2010, 18:09

Amazeroth hat geschrieben:Macht ihr euch in euren Gruppen Gedanken über sowas, oder ist die freie Charakter-Entscheidung des Spielers
wichtiger und steht über den Dingen?


Idealerweise machen sich die Spieler schon bei der Charaktereschaffung Gedanken dazu. Ansonsten versuche ich als SL die SC immer schon zu Anfang durch äußere Umstände zusammenzuschweißen. Da normalerweise jeder ein Spezialist in irgendetwas ist, lernt man die Fähigkeiten der anderen schätzen. Und wenn man einen (über-)mächtigen Feind hat, dann wäre man blöd, wenn man sich nicht kompetente Verbündete sichert. Insofern sollten sich die SC nicht unbedingt als Freunde ansehen (auch wenn das natürlich noch besser für die Gruppe ist), sondern als Verbündete, die das eigene Überleben bzw. die Schlagkraft oder Kompetenz erhöhen. Man kann auch, wenn man geschickt ist, ein kompliziertes Beziehungsgeflecht aufbauen, wo einzelne SC durch verschiedene Bindungen an die Gruppe gebunden sind, sodass sie sogar bestimmte SC nicht mögen können (z.B. weil zwei SC Brüder, ein Paar, einander verpflichtet sind etc.).

Amazeroth hat geschrieben:Als klischeehaftes Beispiel sei der finstere Magier genannt, der mit dem rechtschaffenden Priester durch die Lande zieht und oft hinterfragt niemand die Beziehung der Chars in der Gruppe untereinander.


Doch, bzw. die Beziehung ergibt sich aus dem Rollenspiel. Aber die Konstellation finde ich jetzt auch nicht so abwegig. Magier gibt es halt nicht wie Sand am Meer, besonders nicht solche, die auch noch ihre Haut riskieren. Wenn man dann mal einen halbwegs vertrauensvollen oder kompetenten gefunden hat, kann man für diesen Verbündeten schon mal einiges schlucken. Andersrum ist es genau so. Man muss halt bedenken, dass die SC oft etwas Besonderes sind, Leute mit Fähigkeiten, die man nicht so einfach austauschen kann.
not evil - just genius
Benutzeravatar
Tudor the Traveller
 
Beiträge: 452
Registriert: Fr 15. Jan 2010, 09:02
Wohnort: Langenfeld (Rheinland)

Re: Die Gruppe - eine unmögliche Zusammenkunft

Beitragvon Serienheld » Fr 12. Mär 2010, 09:02

Mir fällt spontan meine Heimatgruppe ein, in der ich geleitet habe: Aus irgend einem Grund haben wir mal mit unserer Ur-Kampagne, allessamt level 17 Charas, pausiert und mit neuen Charas 1.500 km weiter auf dem selben Kontinent neu angefangen. Es ging um einen Krieg, der inzwischen kontinentsübergreifend war: Da waren einmal die Ur-Charas der Spieler, die Fürsten eines kleinen Landstriches im Süden geworden sind und Schuld an der Misere hatten und nun nach Allierten suchten, einen Riesen, dem vor urigen Zeiten mal alles gehört hat und der nun wieder alles haben wollte und einem Necromancer-Drachen, von dem niemand so Recht wusste woher er kommt. Lange Rede, kurzer Sinn: In diesem 1.500 km entfernten Dorf taten sich die Charas nach einem Drachenagriff zusammen um als Überlebende gen Süden zu ziehen, weil sie, so hörten sie, es im Süden wohl sicher ist, weil da Fürsten einen Gegenangriff planten.

Die Gruppe bestand letztlich u.a. aus einem Paladin und einem bösem Priester, die sich Anfangs sehr suspekt gegenüberstanden, jedoch schnell erkannt haben, dass sie als Überlebende zusammenhalten müssen. Das Ende vom Lied war letztendlich, dass sich der Priester gesinnungstechnisch in die Neutralität umorientiert hat.
Benutzeravatar
Serienheld
 
Beiträge: 137
Registriert: Fr 15. Jan 2010, 11:17
Wohnort: Köln-Südstadt

Re: Die Gruppe - eine unmögliche Zusammenkunft

Beitragvon Snook » Mi 24. Mär 2010, 00:16

für mich soll eine gruppe in den meisten fällen zusammenarbeiten als team, jeder mag vielleicht solo pläne verfolgen aber damit das team funktioniert braucht man eine gruppenmotivation auf dauer.
dazu setze ich mich in den meisten fällen vorher hin und bespreche mit den spielern, was denn in dem system gespielt werden will, also welcher schwerpunkt. action, politik/intrige, forschen/nachforschen etc.
und dann kann man die klassen o.ä. durchgehen um eine solide alles gut abdeckende gruppe zu haben, die vielseitig ist und wo jeder spieler glücklich ist.

ab und an kann man spielercharaktere aneinander zwingend binden für eine gewisse zeit, in der hoffnung ein längeres zusammenarbeiten könnte man verfolgen, wenn das aber nicht klappt muss der char ausgewechselt werden.

wir haben ne vampire tM gruppe und ein spieler hat seinen char schon rollenspieltechnisch super ausgespielt sich aber die gruppe zum feind gemacht, sodass dieser spieler nun einen neuen char machen muss, weils sonst sehr langweilig wäre, da er alleine mit dem sl spielen müsste und wir als gruppe ohne ihn ^^

in d20 modern, habe ich ein team von FBI agents
bei dark heresy sind wir alle akolyten eines inquisitors, in l5r sind wir einmal teil einer kompanie und das andere mal aus dem gleichen clan.

und von den fertigkeiten und schwerpunkten der chars schaut man als spieler, aber auch als sl, dass sie möglichst abwechslungsreich gestaltet sind.

tank, heiler, schurke, bäm
Krieger, Kleriker, Schurke, Magier
Soldat, Psioniker, Assassin, Tech-Adept
Bushi, Shugenja, Courtie
etc pp

eine reine abschlachter rumtötungs-bäm truppe ohne einen intelligenzbolzen oder socializer ist auf dauer laanagweilig ^^
Priester 80 / Magier 80 / Hexer 80 / Schurke 80 / Druide 80 / Druide 80 / Jäger 80 / Schamane 80 / Schamane 80 / Krieger 80 / Paladin 80 / DK 80 / Hexer 80 / Priester 80 / Paladin 71 / DK 60 / Schamane 60 / Krieger 40
Benutzeravatar
Snook
 
Beiträge: 117
Registriert: Fr 15. Jan 2010, 16:31

Re: Die Gruppe - eine unmögliche Zusammenkunft

Beitragvon Thanatos » Sa 3. Apr 2010, 13:02

Hm, also im Idealfall ist schon das Zusammenkommen zu einer Gruppe, dass Zusammenwachsen, sich kennenlernen und sich auch vertrauen lernen, obwohl man durchaus unterschiedliche Auffassungen haben kann, Teil des Abenteuers. Das ist ja Teil des Rollenspiels, eben der soziale Party - auf den ich Wert lege.

Ein in Cthulhu-Runden sehr beliebter Kniff - jedenfalls meiner Erfahrung nach - ist z.B. eine Testamentseröffnung, oder eine andere soziale Veranstaltung, bei der Menschen aus den unterschiedlichsten Hintergründen aufeinandertreffen können, ohne dass es allzu konstruiert wirkt. Ein gemeinsames Schicksal, wie etwa die einzigen Überlebenden eines Unglücks (besonders geeignet hier: Naturkatastrophen oder Unfälle mit Massenverkehrsmitteln) zu sein, ist auch möglich. Letztlich kommt es - wie oben auch schon angemerkt wurde - darauf an, den Spielern eine gemeinsame Langzeitmotivation zu geben.

Übrigens fällt mir als Negativ-Beispiel in dieser Beziehung eine wunderbare Szene aus der Parodie "The Gamers" ein, die ihr sicher alle kennt:

The Gamemaster: Guys, please! I want you to roleplay this. Remember you've never met this guy before, the last guys you met tried to kill you, and you're standing in the ruins of an evil, cursed castle. Just act appropriately.
Magellan: Hello, I'm Magellan, a traveling mage. I notice your group has no wizard.
Rogar, the Barbarian: You seem trustworthy. Would you care to join us in our noble quest?
Magellan: Yes. Yes I would.


Alles. Nur nicht so.
"Manche Leute würden eher sterben als nachdenken." (Bertrand Russell)
Benutzeravatar
Thanatos
 
Beiträge: 289
Registriert: Fr 2. Apr 2010, 18:03
Wohnort: Köln

Re: Die Gruppe - eine unmögliche Zusammenkunft

Beitragvon VerdammterHalbelf » Do 27. Mai 2010, 21:44

Die Gruppen, die ich bisher erlebt habe - als Spieler und als Meister - haben sich nicht zwingend ergänzt. Die Charaktere sollten aber nur ausnahmsweise gegensätzliche Gesinnungen ((A)D&D) haben, denn wenn die Spieler es tatsächlich ausspielen können, beschäftigt sich die Gruppe nur mit sich selbst.
Ich kenne es so, dass der Meister vorher mit den Spielern über deren Vorstellungen redet und ggf. etwas steuern kann. Wenn die Gruppe eine Fähigkeitslücke hat, kann der Meister entweder das Abenteuer anpassen oder per NPC ergänzen. Oft kommt es dann aber im Abenteuer zu ganz unkonventionellen Lösungen (wenn z.B. die DAS-Gruppe im Hack&Slay-Abenteuer ohne Damagedealer dasteht...) :twisted:
Alea iacta est - Der Würfel ist geworfen.
Benutzeravatar
VerdammterHalbelf
 
Beiträge: 51
Registriert: Di 2. Feb 2010, 13:49
Wohnort: Troisdorf


Zurück zu Allgemeines / Umfragen

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast